Rezension: "Herr Hund" von Nicole Grün




Vergesst Freud und Fromm ... hier kommen die Spinne Aloisia und Herr Hund Alfons.

Nein, die liebenswerte Geschichte um die beiden tierischen Helden des Buches, ist keine reine Tiergeschichte. Hier wird lediglich auf tierische Art und Weise dem Leser näher gebracht, wie und warum er sein Selbstwertgefühl aufbessern muss, wenn er dann von Selbstzweifel geplagt wird. Und dies so gekonnt, dass dieses Buch auf die Bestsellerliste gehört und zwar unter die ersten Zehn!

XXXVII - Von Hundert auf Null/06.September 2011


"Und", will Julia von mir wissen, natürlich auch schon am frühen Morgen mit Nagelfeile bewaffnet, "hast du gut geschlafen?"
"Gut geschlafen?", brummelt es aus mir heraus. "Ne, eher gesagt beschissen", antworte ich kurz und knapp und bin dabei wahrscheinlich eine Spur zu unfreundlich, was mir aber in diesem Moment scheißegal ist.
Da Julia schon eine kleine Entzugsklinik-Karriere hinter sich hat, stößt meine patzige Antwort aber weiter nicht bei ihr auf.
Ich will mich duschen, obwohl ich meines Erachtens gar nicht dazu in der Lage bin und eigentlich laut meines Herzrasens jetzt auf der Stelle tot umfallen müsste.
"Hast Du hier schon geduscht", frage ich Julia und strenge mich an, jetzt zumindest eine Spur freundlicher zu klingen.
"Ja, klar, gestern! Mach dich auf einiges gefasst. Das wird nicht gerade ein Wellness-Erlebnis", kündigt Julia ironisch an und ich ahne Böses. "Und vor allem zieh dir Badelatschen an, ansonsten kribbelt es spätestens in einer Stunde an deinen Füßen. Herr und Frau Fußpilz nisten sich ganz fix bei dir ein."
"Oh Gott, du machst mir ja Mut", erwidere ich, schon dabei, mir alles anzuziehen, was mich vor einer Hauterkrankung retten könnte. "Gut, ich gehe dann mal los. Sollte ich in einer Viertelstunde nicht zurück sein, dann bin ich unter der Dusche gestorben", witzel ich herum, obwohl ich es ernst meine.

Auf diese Bücher freue ich mich im September 2016

bleiben
Judith W. Taschler
Roman
Erscheinungsdatum: 01. September 2016
Hardcover
265 Seiten
ISBN: 978-3-426-28132-1
Preis: 19,99 €
Droemer ... Klickt hier und ihr erfahrt gleich mehr



Raumpatrouille
Matthias Brandt
Roman
Erscheinungsdatum: 08. September 2016
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
176 Seiten
ISBN:
978-3-462-04567-3
Preis: 18,00
Kiepenheuer & Witsch ... Klickt hier und ihr erfahrt gleich mehr

 



The Loney
Andrew Michael Hurley
Roman

Erscheinungsdatum: 09. September 2016
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
384 Seiten 
ISBN:  978-3-550-08137-8
Preis: 22,00 




 
Vor dem Fall
Noah Hawley
Roman
Erscheinungsdatum: 12. September 2016
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
448 Seiten
ISBN: 978-3-442-31421-8
Preis: 22,99 €
Goldmann ... Klickt hier und ihr erfahrt gleich mehr




Die Tage, die ich mit Gott verbrachte
Axel Hacke
Roman
Erscheinungsdatum: September 2016
Gebundene Ausgabe
112 Seiten
ISBN: 978-3-95614-118-8
Preis: 18,00 €
Kunstmann ... Klickt hier und ihr erfahrt gleich mehr




XXXVI - Von Hundert auf Null/05.September 2011


Tagebucheintrag vom 05. September 2011

Meine erste Nacht in der Entzugsklinik und ich kann nicht schlafen.
War ja auch eigentlich klar, dass ich nicht schlafen kann. Kann ich ja eh immer schlecht schlafen.
Was allerdings keineswegs klar war, dass ich hier nicht ausschleichend mein Tavor bekomme, sondern rein gar nichts mehr. Was für ein Dreck ist das denn?
Kommt man hierher und dann so eine Scheiße!

Ich könnte heulen, schreien oder am besten gleich weglaufen.

Mit meiner Zimmergenossin habe ich allerdings Glück gehabt. Ich würde nie denken, dass sie Alkoholikerin ist - niemals.
Ich möchte auch gern ein Alki sein. Die bekommen hier wenigstens etwas gegen die Symptome des Enzuges und dann sind sie nach 3-4 Tagen mit dem ganzen Mist durch und bei mir fängt es dann erst richtig an.

Rezension: "Frust, Revolte und Normalität" von Rose Kleinknecht-Herrmann



Es ist wirklich schade, dass es so manchem Buch an der nötigen PR mangelt.

Der Roman "Frust, Revolte und Normalität - Die Leiden des Lehrers Wolfgang Fink" von Rose Kleinknecht-Herrmann bietet meines Erachtens hohe literarische Qualität, die es verdient hat, gelesen zu werden.

Die Lektüre befasst sich mit den Schülern, den Lehrern und dem Schulsystem der 60er, 70er und 80er Jahre. Ein Jeder, der in dieser Zeit zur Schule gegangen ist oder aber in dieser Zeit selbst unterrichtet hat, wird sich von Beginn an wiederfinden.
Der Hauptprotagonist, der Lehrer Wolfgang Fink, gewährt dem Leser einen Einblick, in das, was das System in dieser Zeit ausgemacht hat - der Autorität.

XXXV - Von Hundert auf Null/05.September 2011


"Zum Glück", freue ich mich lauthals, als Julia endlich ins Zimmer kommt.
"Hast Du schon auf mich gewartet", will Julia wissen und ist sichtlich gerührt.
"Auf jeden Fall!", antworte ich wie aus einer Pistole geschossen. "Allein kann ich es hier so gut wie gar nicht ertragen."
"Warum kommst du denn dann nicht aus diesem widerlichen Zimmer raus? Hier würde ich es auch nicht allein aushalten", sieht Julia mich fragend an und greift wie in Trance zu ihrer Nagelfeile, die auf ihrem Krankentisch liegt.
"Es ist mir einfach zu laut in der Raucherecke. Ich bin so schon aufgekratzt genug. Dann noch der Lärm dazu und ich habe das Gefühl, ich könnte ausflippen", kläre ich meine Bettnachbarin auf und kann mir dabei ein Lachen nicht verkneifen. Julia und ihre Nagelfeile scheinen unzertrennlich zu sein.

Rezension: "Atme nicht" von Jennifer R. Hubbard






Weiterhin ist es für mich ein großer Genuss, Jugendbücher zu lesen, die in der realen Welt spielen.
Mit "Atme nicht" von Jennifer R. Hubbard bin ich auf einen Jugendroman gestoßen, der es wirklich wert ist, mich auf mein Sofa zu begleiten.

Erzählt wird die berührende Geschichte eines Jungen, der sich nach einem Selbstmordversuch auf der geschlossenen Station einer Psychiatrie wieder findet und dessen Leben sich dadurch von Grund auf ändert. Wie verzweifelt muss ein junger Mensch sein, wenn er sein Leben beenden will?

XXXIV - Von Hundert auf Null/05.September 2011


Ich habe Angst vor der ersten Nacht. Große Angst!

Während Julia noch eine Runde Skat mit zwei Tippelbrüdern kloppt, mache ich mich bettfertig. Zwar könnte ich gut und gern auch noch eine Zigarette rauchen, aber der erste Eindruck von den anderen Patienten in der Raucherecke hat mir erst einmal gelangt und ich beschließe, dass es heute keine Zigarette mehr für mich gibt.

Es ekelt mich an, hier leicht bekleidet im Bett zu liegen. Es stinkt nach Mottenkugeln, zumindest vermute ich es, da ich eigentlich gar nicht weiß, wie eine Mottenkugel riecht.

XXXIII - Von Hundert auf Null/05.September 2011


 
Julia möchte wissen, wem ich von dem Entzug erzählt habe, ob ich alle eingeweiht hätte ... niemals ... alles, aber nicht das.
Meine Ausrede auf die Frage aller Fragen:
WO STECKST DU EIGENTLICH SO LANGE?


2011 ist da auf einmal Tim Bendzko und mit ihm auch meine Ausrede ...

XXXII - Von Hundert auf Null/05.September 2011

"Hier steckst du also. Man, ich habe dich schon gesucht", klingt Julia beim Eintreten in unser Zimmer  fast ein wenig besorgt. "Wie hälst du es nur freiwillig in diesem Zimmer aus? Selten habe ich mich in so einer üblen Atmosphäre aufgehalten. Jetzt sag nicht, dass es dir hier gefällt.
"Um Gottes Willen, nein, aber es ist mir in der Raucherecke einfach zu hektisch und ich bin schon angespannt genug, da musste ich mich einfach zurückziehen", versuche ich mich zu erklären und ich glaube Julia versteht mich, zumindest nickt sie mir freundlich zu.

XXXI - Von Hundert auf Null/05.September 2011



Was mich bis dato positiv überrascht, ist, dass ich mein Handy noch nicht abgeben musste. Auch laufen hier sämtliche Patienten mit einem Handy rum, was da heißt, dass der Kontakt zur Außenwelt zumindest telefonisch gesichert ist.

Nach dem Abendbrot verkrümel ich mich in Julias und mein Zimmer. Obwohl es hier alles andere als gemütlich ist, benötige ich Ruhe.

Rezension: "Die Sommer der Porters" von Elizabeth Graver


Ich freue mich, Euch einen wundervollen Roman vorstellen zu können, der es unbedingt verdient hat, gerade jetzt, während der Urlaubszeit, gelesen zu werden.

Der Roman begleitet das Leben der Familie Porter über drei Generationen. 
Die Protagonisten erzählen in mehreren Abschnitten aus ihrem Leben, das zwischen den vierzigern und neunziger Jahren spielt.
Die wohlhabende Familie Porter, die da sind Mr Porter, Mrs Porter, die fast schon erwachsenen Kinder Helen, Dossy und Charlie sowie die Jüngste der Kinder Janie, nebst ihren Angestellten Bea und Agnes, verbringt ihre Ferien jedes Jahr auf dem Sommersitz Ashaunt vor Massachusetts, der auf einer felsigen, aber durchaus beschaulichen Halbinsel liegt. Hier gibt es noch unberührte Natur, die aus satten, grünen Wäldern, steilen Klippen und fantastischen Badestränden geformt ist.

XXX- Von Hundert auf Null/05.September 2011



Langsam weicht die Panik, und ich kann wieder einen klaren Gedanken fassen. So klar, dass ich weiß, was mir blüht, wenn meine Tavorreserven aus meinen Fettzellen verschwunden sind, denn dort halten sie sich angeblich bis zuletzt auf.

Ich wasche mir die Hände, streife die nassen Finger an meiner Jeans ab, der Papierspender ist leer und anstatt dessen mit klebrigen Bonbonpapier vollgestopft und bewege mich nun endlich Richtung Raucherecke.

XIX - Von Hundert auf Null/05.September 2011

Kein Mensch in Sicht!
Ich stehe immer noch an der Wand des Ganges.
Ungefähr sieben Meter und ich hätte wenigstens mein Zimmer erreicht.
Ich komme mir vor wie ein kleines Kind, dass Mama und Papa im großen Gewühl eines Kaufhauses verloren hat. Schlichtweg allein gelassen.
Ganz langsam, Stück für Stück hangel ich mich an der Wand Richtung Zimmer lang. Mein Herz schlägt so laut und kräftig, dass es meines Erachtens nicht gesund für den Körper sein kann.

XXVIII - Von Hundert auf Null/05.September 2011


"Also, Sie bekommen ab sofort Ihre Medikamente, die Sie auch zu Hause einnehmen, morgens, mittags und abends vor den Mahlzeiten im Stationszimmer, allerdings kein Tavor mehr, okay?", informiert mich das Auge und lächelt dabei ein wenig verschmitzt.
Ich hingegen habe keinen Grund zu lächeln, willige aber ein und verlasse wortkarg, dafür aber mit einem kräftigen Händedruck, das Zimmer.

Ich muss dringend eine rauchen. 
Der Weg in den Raucherbereich führt über einen langen Flur, für mich ein zu Langer. Panik macht sich in mir breit, sobald ich einen langen und geraden Flur langlaufen muss. Mir wird schwindelig und ich habe das Gefühl, dass meine Beine ins bodenlose sinken. Mit Hilfe der Glücksbärchen ist es einigermaßen erträglich, aber ich merke, dass die Wirkung immer mehr nachlässt und so bleibe ich auf halber Strecke stehen und stelle mich an die Wand des Ganges.

Neuerscheinung: "Die Attentäter" von Antonia Michaelis



Gestern sind "Die Attentäter" von Antonia Michaelis bei mir als Rezensionsexemplar eingezogen. Ich habe es bei Vorablesen gewonnen, die Nacht genutzt und es fix gelesen. Was soll ich sagen? Ich bin total begeistert. Holt Eure Wunschliste raus und merkt Euch den Titel.

Da der Roman erst im September im Handel zu kaufen sein wird, kann ich eine Rezension leider erst im September mit Euch teilen, was ich natürlich auch sofort machen werde.

XXVII - Von Hundert auf Null/05.September 2011


"Wir werden alles für Sie tun. Vertrauen Sie uns! Hatten Sie schon einmal einen Krampfanfall?", will Herr Fischer von mir wissen und zupft sich wieder mal im Haar herum, was mich langsam zu nerven beginnt. Vielleicht bin ich auch einfach nur gereizt, weil die Wirkung des Tavors langsam nachlässt.
"Wie bitte? Einen Krampfanfall?", frage ich mehr als erstaunt und bekomme allein schon bei der Vorstellung Panik, dass mein Körper außer Takt geraten könnte.
"Ja, es kann durchaus bei einem Entzug zu Krampanfällen kommen, Entzugsanfall auch genannt. Es handelt sich dabei um einen epileptischen  Gelegenheitsanfall, der als Komplikation eines Entzugssyndroms bei einer Abhängigkeit von Alkohol oder einer zu raschen Dosisreduktion von Benzodiazepinen nach längerer, regelmäßiger Einnahme auftreten kann. Damit Sie aber keinen Anfall erleiden, bekommen Sie von uns allerdings ein Medikament und damit ist die Gefahr eigentlich gebannt", erläutert mir Herr Fischer fachmännisch, und ich sehe ihm an, dass er hofft, dass ich mich nicht sträube und alles über mich ergehen lasse.

XXVI - Von Hundert auf Null/05.September 2011

"Naja", beginne ich vorsichtig und schaue dabei dem Stationsarzt zu, wie er mit seinen Locken spielt. "Es ist so leicht gesagt, dass es auch andere Medikamente gibt. Das Dumme ist nur, dass sie nicht helfen!"
"Und das wissen Sie so genau?", versucht der Lockenkopf mich herauszufordern.
"Ja, natürlich. Immerhin nehme ich ja auch Antidepressiva ein, aber selbst die Mixtur mit dem Tavor bringt keine Erleichterung", kläre ich alle drei Beteiligten auf.
"Okay, das vertiefen wir zu einem anderen Zeitpunkt", erwidert Herr Fischer und an seinen leicht zugekniffenen Augen erkenne ich, dass es jetzt ernst wird. "Sie wissen, dass Sie heute zum letzten Mal Tavor eingenommen haben?"

Rezension: "Schwestern bleiben wir immer" von Barbara Kunrath



Zwei Schwestern, beide in den Vierzigern, aber das ist auch schon fast die einzige Parallele der beiden.
Die eine, Mutter dreier Kinder, seit zweiundzwanzig Jahren verheiratet, aufopfernd, sittsam und umgänglich. Die andere quirlig und bindungsunfähig, Mutter eines Sohnes, hat nie in einer langandauernden Beziehung gelebt, dafür aber viele kurze Bekanntschaften gehabt, wohnt in einer WG und hat aufgrund ihres rastlosen Lebens so gut wie nie Zeit für ihren Sohn.

Wäre da nicht das Geheimnis um den eigenen Vater, der die Familie von einem Tag auf den anderen plötzlich im Stich lässt, die Schwestern sind zu diesem Zeitpunkt gerade mal vier und sieben Jahre alt, die beiden würde nicht viel miteinander verbinden.

XXV - Von Hundert auf Null/05. September 2011


Ich muss noch zwei Stunden warten, bis ich endlich das langersehnte Treffen mit dem Stationarzt habe.

"Fischer, mein Name, setzen Sie sich doch bitte", sagt der mir nun gegenübersitzende Arzt in einem ruhigen Ton. Ich schätze ihn auf etwa Mitte fünfzig. Schlank, nicht gerade sehr groß, schönes lockiges, dunkelbraunes Haar und er trägt eine furchtbar hässlich Brille. So hässlich, dass ich innerlich lachen muss. Wie kann ein Mann nur eine lilafarbene Brille tragen? Und dann auch noch eine mit viel zu großen Gläsern, die sein halbes Gesicht bedecken. Jetzt weiß ich auch, wen meine Leidensgenossen in der Raucherecke mit "Das Auge" gemeint haben. Es kann sich nur um Herrn Fischer handeln.

Neuerscheinung: "Hier ist alles Banane" von Jorge Nicolás Sanchez Rodriguez (Hrsg.)




Das Buch muss ich Euch unbedingt schon einmal vorstellen! 

Ich hoffe, dass ich es schnellstmöglich lesen werde. Da ich zu der Spezies gehöre, die brav ihre Bücher in der Reihenfolge liest, in der sie auch bei mir Einzug gehalten haben, kann es noch zwei Wochen dauern, bis ich es schaffe, das Buch zu rezensieren.

Wer humorvoller Lektüre aufgeschlossen gegenüber ist, der wird mit Sicherheit mit "Hier ist alles Banane - Erich Honeckers geheime Tagebücher 1994 - 2015" seinen Heidenspaß haben.

Inhaltsangabe des Verlags:

"Am 29. Mai 1994 starb Erich Honecker in Santiago de Chile – das glaubt die Welt bis heute. In Wahrheit jedoch lebte der ehemalige Staatschef der DDR bis vor kurzem in einem gepflegten Reihenhaus im Stadtteil La Reina, gut versorgt mit Südfrüchten. Und wie jetzt herauskam, verfasste er in den Jahren 1994 bis 2015 zahlreiche Tagebücher – in penibler Schönschrift! Darin kommentiert Honecker scharfsinnig die weltpolitische Lage, plaudert aus seinem Privat leben und schildert offenherzig seine Nöte und Sorgen. Ein faszinierend anderer Blick auf die vergangenen zwanzig Jahre. Einfach zu lustig, um wahr zu sein!"

Hier ist alles Banane
Jorge Nicolás Sanchez Rodriguez (Hrsg.)
erschienen bei Ullstein extra
272 Seiten  
ISBN: 978-3-864-93040-9
Hardcover
Preis: 14,99 € 


XXIV - Von Hundert auf Null/05. September


Im Speisesaal geht es munter weiter. 
Lautes Geschrei, weil irgendjemand sich dort hingesetzt hat, wo er nun gar nicht hingehört. Ich stehe indes mitten im Raum, habe noch keinen Platz zugewiesen bekommen und werde von allen angegafft.
Nach einer gefühlten Viertelstunde, die wahrscheinlich nur aus einigen Sekunde besteht, lacht mir einer der zahnlosen Patienten zu und fordert mich auf, an seinem Tisch mit Platz zu nehmen. Ich bin ihm dankbar, mich endlich aus der Mitte des Speisesaals entfernen zu können und damit auch aus dem Blickfeld all derjenigen, deren Blicke auf mich gerichtet sind.

Rezension: "Drei Erzählungen" von Brigitte Krächan



Es müssen nicht immer Bücher mit dreihundert Seiten und mehr sein, einhundertzwölf Seiten reichen aus, um mich zu verzücken. Nur traurig, wenn einem das Gelesene so gut gefällt, dass man sich nach mindestens weiteren zweihundert Seiten sehnt.

Die Lektüre von Brigitte Krächan beinhaltet drei Erzählungen, die sich alle auf ihre Art und Weise mit dem Abschied beschäftigen. Sie sind so sanft, so zart und voller Hingabe geschrieben, dass ich so froh bin, diese Autorin entdeckt zu haben.

Rezension: "Matilda und die Sommersonneninsel" von Martina Sahler, Heiko Wolz


Warum eine knapp 50 Jährige Jugendbücher rezensiert?
Ganz einfach! Ich liebe die schnörkellose, präzise und auf den Punkt gebrachte Sprache, die Jugendbücher auszeichnet. Da ich es sehr wichtig finde, dass Kinder und Jugendliche an das Lesen von erst einmal zeitgemäßer Lektüre herangeführt werden, verschaffe ich mir  immer wieder sehr gern einen Überblick darüber, was der Büchermarkt insbesondere an Büchern für 12 - 18 Jährige zu bieten hat. Es ist immer wieder ein Genuss, lesenswertes zu entdecken.

Sommer, Sonne, Surfen und die erste große Liebe. Matilda und ihre drei Freundinnen leben dort, wo andere Urlaub machen, zusammen sind sie die „Summer Girls“. Es sind die ersten Sommerferien, in denen sich die Mädchen für Jungs interessieren, die bis vor kurzem noch völlig uninteressant schienen. Matilda, deren Vater eine Surfschule betreibt, gibt während dieser Zeit Surfkurse für die Kleinen. Liebend gern würde sie natürlich die Fortgeschrittenen unterrichten, aber dafür muss sie sich erst noch qualifizieren.

XXIII - Von Hundert auf Null/05. September 2011


"Beruhige dich!", versucht Julia auf mich einzuwirken und feilt weiter an ihren meines Erachtens eh viel zu langen Nägeln. "Vielleicht irre ich mich ja. Ich kenne das halt so aus anderen Kliniken, dass Medikamente sofort abgesetzt werden, was ja aber nicht heißt, dass es hier auch so sein wird.
"Ich kann es nur hoffen", seufze ich und bin den Tränen nahe, "das würde ich niemals aushalten. Dann kann ich mir auch gleich die Kugel geben, aber das würde nach hinten losgehen. Ich kann nur hoffen, dass der Stationarzt mich möglichst bald sehen will."

XXII - Von Hundert auf Null/05. September 2011



Sollte ich tatsächlich das große Los gezogen und eine schon fast mehr als gepflegte Mitpatientin ergattert haben? Yeah - Strike!

Meine Zimmergenossin stellt sich freundlich mit Julia vor und ich merke, dass auch sie erleichtert ist, sich nicht mit einer stinkigen, zahnlosen Tante das Zimmer teilen zu müssen.

"Puh", seufzt Julia gen Zimmerdecke, "da habe ich jetzt ja wohl richtig Glück gehabt. Wenn du wüsstest, was hier heute schon für Freaks angekommen sind, dann bist du ein wahrer Diamant. Ich danke dir recht herzlich", zwitschert sie mir fröhlich entgegen und strahlt über das ganze Gesicht.

Neuerscheinung: "Oh. Mein. Gott." von Meg Rosoff


Gerade ist der Roman "Oh. Mein. Gott." von Meg Rosoff als Taschenbuch erschienen und schwupps ... ab auf meine Wunschliste. Vielleicht ist das ja auch ein Roman für Euch, falls ihr auch so gern Jugendbücher lest wie ich oder aber für Eure Kinder. 

Fragt sich nur, warum lese ich eigentlich so gern Jugendbücher?

Diese Frage habe ich mir schon häufiger gestellt und immer wieder läuft es darauf hinaus, dass mich die Klarheit der Sprache fasziniert, schnörkellos und einfach. Vorzugsweise lese ich Jugendbücher, die das wahre Leben widerspiegeln. Mit Harry Potter und Konsorten kann ich weniger anfangen, dafür bin ich wohl einfach zu nüchtern und vielleicht auch schon einfach ein bisschen zu alt! Mich hat das wahre Leben geprägt und auf dem Besen fliegende Geschöpfe kommen da einfach nicht drin vor. Vielleicht ja sogar schade, dass ich dem nichts abgewinnen kann, aber ... nein ... in diesem Leben wird das nichts mehr!

XXI - Von Hundert auf Null/05. September 2011

Als Schwester Lotte das Zimmer verlässt und die Tür hinter sich schließt, lasse ich mich auf eines der freien Betten fallen.

Wo bin ich hier gelandet? Wie soll ich das bitte aushalten? Geschweige denn, wie soll ich hier entgiften, wie es so schön im Fachjargon heißt. Ich benötige einen Ort, an dem ich mich einigermaßen wohlfühle und nicht so einen verdreckten Kasten. Die Mitpatienten, die ich im Vorbeigehen sehen konnte, haben mir schon gereicht. Nicht, dass ich meine, dass ich etwas besseres bin, um Himmels Willen, aber ich wasche mich wenigstens. Soll ich heulen, schreien oder einfach wegrennen?

XX - Von Hundert auf Null/05. September 2011

"Haben Sie, wie vereinbart, alle Medikamente, die Sie einnehmen, mitgebracht?", will eine ziemlich grummelig dreinblickende Pflegerin von mir wissen.
"Ja, natürlich", antworte ich schnell und beziehe ihre bösen Blicke sofort auf mich.
"Dann zeigen Sie mal her, was sie uns da so schönes mit gebracht haben", will die Pflegerin, auf deren Namensschild Lotte steht, von mir wissen.
Ich reiche ihr einen Gefrierbeutel vollgestopft mit Medikamenten.

Rezension: "The Girls" von Emma Cline


Dem momentanen Hype um den Roman "The Girls" von Emma Cline kann man sich kaum entziehen. In sämtlichen Medien wird das Buch als ein brilliantes Meisterwerk der Sprachkunst gerühmt. Da ich eine bekennende Bestsellerleserin bin, habe ich mich natürlich auch an diesen Roman herangemacht. Ich möchte meine Gesamteinschätzung nicht schon vorweg nehmen, aber ich habe mich mit der Lektüre sehr schwer getan. 

XIX - Von Hundert auf Null/05. September 2011


Da stehe ich nun und komme mir mutterseelenallein vor.

Ich winke meiner Taxifahrerin noch kurz zu, ein letzter Blick in Richtung Heimat. Noch kann ich gehen. Natürlich kann ich jeden Tag gehen, aber ich weiß genau, sobald ich einen Schritt in die Klinik setze, beginnt ein Wettkampf ... ich oder die Glücksbärchen ... ich oder das Tavor.
Ich entscheide mich für den Wettkampf, greife energisch zu meinem Gepäck und trage einen Koffer nach dem anderen ins Foyer hinein.

XVIII - Von Hundert auf Null/05. September 2011


Es geht los! 
Ich kann es selbst nicht fassen. In wenigen Minuten wird mich ein Taxi in die Entzugsklinik fahren. Meine gepackten Koffer, drei an der Zahl, immerhin begebe ich mich, wenn es gut läuft auf eine dreißigwöchige Reise oder sollte ich lieber Abenteuer sagen, sind gepackt und zum Bersten voll.

Vorausschauend, wie ich nun einmal bin, habe ich heute morgen gleich drei Glücksbärchen runtergeschluckt. Zum einen, weil ich nicht weiß, wann ich wieder etwas bekomme, zum anderen um meine Aufregung einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen.

Neuerscheinung: "Von Männern und Menschen" von Olli Jalonen


Dieser Roman ist bestimmt auch was für Euch!

"Von Männern und anderen Menschen" vom Autor Olli Jalonen ist bei mir eingezogen und wartet nun darauf, gelesen zu werden. Ich gebe mir Mühe, dass ich es möglichst bald in den Angriff nehmen kann. Da ich aber niemandem vorenthalten möchte, was für tolle Bücher gerade erschienen sind, hier ein kurzer Einblick in das Werk!

XVII - Von Hundert auf Null/August 2011


Langsam aber sicher werde ich nervös.

Die Drogenberatung hat bereits für mich das so wichtige Okay für die Entgiftung eingeholt und ebenfalls den Kontakt zum Rentenversicherungsträger hergestellt.
Da ich in den letzten Tagen bereits Kontakt zu einem Adaptionshaus aufgenommen habe, und ich dort nach erfolgreicher Entwöhnungtherapie Anfang Januar einen Platz bekommen kann, bin ich an einem reibungslosen Verlauf mehr als interessiert. Und wenn alles gut läuft, dann bin ich Anfang April mit allen Therapien durch und beginne ein neues Leben! So ist der Plan, so und nicht anders!

XVI - Von Hundert auf Null/ Juli 2011


"Habe ich schon alles geregelt", antworte ich keck und freue mich fast diebisch. "Man erwartet mich am 05. September zum Entzug."
"Sie haben schon alles geregelt, fragt mich Frau Lesser ungläubig, "wie denn das?"
"In dem ich meine wachen Momente mit der Recherche von Kliniken im Internet verbracht habe sowie auch im Übrigen mit dem gesamten Prozedere eines Entzuges!"

Rezension: "Wie Sie unvermeidlich glücklich werden" von Manfred Lütz



Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mit Büchern, die sich mit der allgemeinen Psychologie beschäftigen, welches Thema auch immer, auf dem Kriegsfuß stehe.
Aufgrund von Panikattacken habe ich jahrelange Psychotherapeutenerfahrung (ein schönes Wort) und wenn ich eins weiß, dann, dass mir wirklich keiner der Therapeuten so richtig helfen konnte. Aus allen Therapien habe ich letztendlich kleine Bröckchen zusammen getragen und mir meinen eigenen Therapieplan erstellt. Und es stimmt ... Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! ... und, nein, ich bin nicht gläubig, aber an dem Sprichwort ist schon was Wahres dran.

Vor zwei Monaten habe ich das Buch "Wie sie unvermeidlich glücklich werden" von Manfred Lütz geschenkt bekommen. Da ich keineswegs unglücklich bin, das Gegenteil ist der Fall und das trotz meiner Panikattacken, habe ich das Buch erst einmal stiefmütterlich behandelt. Da man ja aber einem geschenkten Gaul nicht ins Maul gucken soll, habe mich dann doch die letzte Woche über die Seiten des Buches hergemacht. Und siehe da, meine Sichtweise, auf Bücher, die sich mit der Psychologie beschäftigen, hat sich mit diesem Buch nicht geändert.

XV - Von Hundert auf Null/Juli 2011

 

"Schon gut, regen sie sich bitte nicht auf! Wenn sie sagen, dass sie es wollen oder müssen oder wie auch immer, dann ist es okay. Wir spielen hier ihr Spiel. Sie allein betimmen, was sie wollen oder nicht", versucht Frau Lesser mich schnell zu beruhigen. 
Aber allein dieser Satz reicht mir schon wieder. 
Ich will, ich muss oder sonstwas. Sag mir lieber endlich was auf mich zukommt und dann ist gut. Alles andere habe ich eh schon in Erfahrung gebracht und werde dir gleich zeigen, wie der Hase zu laufen hat. Großartig reden müssen wir beide nicht. Alles kann ganz schnell gehen, wenn du nur aufhörst, hier die Therapeutin raushängen zu lassen. Ich bin meine eigene Therapeutin, denke ich bei mir.

XIV - Von Hundert auf Null/Juli 2011


Eine Woche später sitze ich in den Räumen der Suchtberatungsstelle. Ich kann es selbst nicht fassen.
Meine Ansprechpartnerin wirkt auf mich zwar nicht gerade unsympathisch, aber dennoch verhalte ich mich erst einmal abwartend.

"Und Sie möchten sich also einem Entzug unterziehen", fragt mich Frau Lesser. Ihr Namensschild verrät mir ihren Namen. Vorgestellt hat sie sich nicht bei mir, aber das ist mir in diesem Moment auch völlig egal.
"Muss ich wohl. Ich habe keine andere Wahl, denke ich", antworte ich schnell. Nur keine Redepausen, nur das nicht.

Rezension: "So wie die Hoffnung lebt" von Susanna Ernst



Zwei Kinder. Zwei Schicksale. Eine große Liebe, die auf ewig verbindet.
So oder so ähnlich lässt sich der Inhalt des Romans ganz schnell zusammenfassen. Dass ich damit aber weder der Autorin, noch dem Buch gerecht werde, ist mir durchaus bewusst. 
Ich frage mich, ob ich ab sofort vielleicht doch einen größeren Bogen um Liebensromane machen sollte oder bin ich einfach nur zu unromantisch?

XIII - Von Hundert auf Null/Juli 2011



Ich muss zur Drogenberatungsstelle. Ein klinischer Entzug funktioniert nur über eine Beratungsstelle. Da kann ich machen was ich will. So tief sitze ich also im Sumpf. 
Ich bitte dort um einen Termin und kann schon nächste Woche vorbeikommen. Was mich allerdings stört, ist, dass man mir bereits am Telefon mitgeteilt, dass nicht gerade häufig Klienten in die Beratungsstelle kämen, um sich wegen einer Medikamentenabhängigkeit in eine Entzugsklinik einweisen zu lassen.

Ihr habt einen verrückten Traum, dann lasst ihn Euch erfüllen!



Ihr wolltet schon immer mal mit einem Esel durch die Antarktis reiten? Oder mit George Clooney den Himalaya erklimmen? Das alles kann jetzt wahr werden!

Zusammen mit dem Piper Verlag hat sich der Autor des Buches "Eierlikörtage" Hendrik Groen, eine großartige und bis dato einmalige Aktion ausgedacht.

Fügt einfach die Nummer von Hendrik Groen - 015792363773 - zu Euren Kontakten und schreibt ihm eine WhatsApp-Nachricht mit dem Wort "Hallo". Er schaltet Euch dann frei und der Spaß kann beginnen. 
Bis zum 31. August 2016 habt Ihr dann Zeit, Euren ganz persönlichen Wunsch an Hendrik Groen zu richten. Erzählt ihm von Eurem Traum und wenn er Hendrik Groen überzeugt, hier gilt, umso verrückter, desto besser, kann es gut sein, dass Euch der Piper Verlag diesen Wunsch schon bald ermöglicht.

Wenn das nicht die Chance Eures Leben ist!

Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, dass gerade Euer Wunsch erfüllt wird!

Also, auf geht´s!

Eure, 



XII - Von Hundert auf Null/ Juli 2011

Verdammt nochmal!
Warum finde ich im Internet so gut wie nichts zum Thema Medikamentenabhängigkeit? Und vor allem nichts zum Thema Entzug. Es kann doch nicht sein, dass ich die Erste bin, die sich mit dieser Materie beschäftigt. 

Ich klicke die verschiedensten Seiten an und endlich, nach mehreren Tagen kommt langsam Licht ins Dunkel. Eins steht fest, sollte ich mich zu einem Entzug tatsächlich durchringen, dann steht mir ein mehr als harter Kampf und steiniger Weg bevor. Ob ich den gewinnen werde, ich bezweifel es schon jetzt. Aber es wenigstens mal versuchen, einfach mal rein schnuppern, so eine Art Schnupperkurs für Abhängige, das wird ja wohl möglich sein.

Registriere dich bei Vorablesen und gewinne dein Rezensionsexemplar


Manchmal muss man einfach Glück haben. Und ich habe Glück gehabt!

Kennt ihr Vorablesen?

Hier kannst du Bücher noch vor ihrer Erscheinung gewinnen!

XI - Von Hundert auf Null/Juni 2011


Mein Vater schrie mich vor allen Kunden lauthals an, ich solle mich gefälligst zusammen reißen. Ich konnte es nicht. Im Gegenteil. Umso mehr ich versuchte, mich zu beruhigen, umso größer wurde die Angst, so unsagbar groß - keine Angst, nein ... PANIK.
Und zum ersten Mal sollte ich es verspüren, dieses Gefühl, wie es wahrscheinlich nur jemand nachvollziehen kann, der selbst unter Panikattacken leidet - die Angst zu sterben.

Neuerscheinung: "Eierlikörtage" von Hendrik Groen



Angst, vor dem Älterwerden habe ich nicht! Allerdings habe ich schon Angst davor, in einem Alten- und Pflegeheim zu enden, dass personell unterbesetzt ist und ich, sollte ich irgendwann einmal bettlägerig sein, gerade einmal am Tag umgelagert werde.

Nun ist gestern der Roman "Eierlikörtage - Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre" bei Piper erschienen.
Ist das nicht ein toller Titel? Ich muss schon jetzt schmunzeln, wenn ich mir den kauzigen Titelhelden anschaue. Das Buch landet direkt auf meiner Wunschliste.