Rezension: "Wunderbare Möglichkeiten" von Manfred Mai



Ich wundere mich in letzter Zeit immer mal wieder, was ich doch für ein glückliches Händchen beweise, wenn ich einen Roman nur aufgrund des Covers auswähle.

Dieser Kinderroman, den unbedingt jeder Erwachsene lesen sollte, ist ein so entzückendes Werk, dass ich mich umso mehr freue, allein durch die Illustration auf dem Cover von Quint Bucholz, über diese Lektüre gestolpert zu sein.

Maximilian, ein kluger, wissbegieriger, feinsinniger, elfjähriger Junge, beschäftigt sich mit all dem, was für Jungs seines Alters nicht unbedingt an der Tagesordnung steht. Während sein bester Freund Yasin, sich natürlich für Fußball interessiert, ist Maximilian sehr belesen, macht sich Gedanken über den Sinn des Lebens und verschreibt sich der schönen Sprache, wie sie einst Goethe und Schiller gebraucht haben. Dass er damit vorallem seine Klassenkameraden, aber auch durchaus seine Lehrer, zur Weißglut bringt, ist ihm schnurz.

Auf diese Bücher freue ich mich im Oktober 2016



Die Unerwünschten
Dimitri Verhulst
Roman
Erscheinungsdatum: 03. Oktober 2016
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
144 Seiten
ISBN: 978-3-630-87479-1
Preis: 18,00 €
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Das verborgene Leben meiner Mutter
Adriaan van Dis
Roman

Erscheinungsdatum: 04. Oktober 2016
Gebundene Ausgabe
288 Seiten
ISBN:
978-3-426-28162-8
Preis: 19,99 €
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Die störrische Braut
Anne Tyler
Roman

Erscheinungsdatum: 11. Oktober 2016
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
224 Seiten
ISBN:
978-3-8135-0655-6
Preis: 19,99 €
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In 60 Buchhandlungen durch Europa
Torsten Woywod
Sachbuch
Erscheinungsdatum: 11. Oktober 2016
Gebundene Ausgabe
265 Seiten (58 Bilder)
ISBN: 978-3-959-10073-1
Preis: 19,95 €
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Unsere wunderbaren Jahre
Peter Prange
Roman
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2016
Gebundene Ausgabe
984 Seiten
ISBN: 978-3-651-02503-5
Preis: 22,99 €
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Buchempfehlung: "Den Boden nicht berühren" von D.W. Wilson



Es muss nicht immer ein Roman von vierhundert Seiten sein, nein, ich mag auch Kurzgeschichten! Wem es auch so geht, der kauft mit der Lektüre "Den Boden nicht berühren" ein kleines Meisterwerk.

Geschichten von Männern, die trotz ihrer Härte, Gefühle haben. Gefühle, die sie nicht zeigen, weil keine Zeit bleibt oder die verbleibende Zeit mit wichtigeren Dingen gefüllt werden muss. Männern, denen wir auch täglich begegnen können, auch wenn diese Geschichten in Kanada, im Örtchen Invermere spielen, wo das Mannsein noch ein bisschen ausgeprägter ist.

XXXIV - Von Hundert aus Null/06. September 2011



Anders als ich es mir immer vorgestellt habe, hat Auge nie allein in Haft einsitzen müssen. Er musste sich seinen Haftraum stets mit zwei oder drei weiteren Knackis teilen, was durchaus seine Vorteile hat, da so immerhin weitere Personen für Drogennachschub sorgen würden. 
Denn wenn man nichts im Knast bekommt, aber Drogen jeglicher Art und bester Qualität. Da muss man sich nicht mit gestrecktem Kokain, oder so beschissenen Drogen wie Crack, Exstasy und Chrystal Meth abgeben, nein, erstklassiges Kokain und reinstes Heroin stehen an der Tagesordnung, wenn man sich dann an die richtigen Personen im Knast hält.

Rezension: "Ausgerechnet wir" von Monika Peetz




Eine mathematische Formel, die zum Liebesglück führen soll ... Ist das wirklich möglich?  

Tom, Zahlennerd, ordnungsliebend, Ende zwanzig und mehr als ungeschickt in Liebes- sowie auch in beruflichen Dingen, meldet sich in einem Online-Datingportal an, das auf Grund von Algorithmen berechnen soll, welche Frau perfekt zu ihm passt.

Was aber, wenn Profile lügen und hinter einem Profil nicht das steckt, was vorgegeben ist?

XLVIII - Von Hundert auf Null/06.September 2011


Auge, mein Retter.
Vor ihm haben alle Respekt! Ihn als eine Art Aufpasser an meiner Seite zu haben, ist eine mehr als gute Sache. So fühle ich mich hier trotz all der Knallköpfe sicher.

Auge erzählt mir, dass er den 35er hat und klärt mich auf, dass er bei seiner letzten Straftat total besoffen war, und er zu einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren verurteilt worden ist. Aufgrund dessen kann er sich einer Rehablilitation unterziehen und muss dafür nicht in den Knast wandern. Allerdings berichtet er mir postwendend, dass er die Reha nicht durchziehen wird und im Grunde auch gleich in den Knast wandern könnte. Er würde aber noch ein Weilchen hier bleiben, da das Essen hier wesentlich besser wäre, als der Knastfraß, ansonsten könnte man es im Knast gut aushalten. 
Gut aushalten? Davon will ich mehr erfahren. Nicht nur, weil ich es interessant finde, sondern auch, weil ich mich während seiner aufregenden Geschichten nicht auf meine Panik und die immer schlimmer werdende Unruhe konzentrieren kann.

Rezension: "Von Männern und Menschen" von Olli Jalonen




Die 70er Jahre, eine Zeit, in der sich die Jugend emanzipiert. Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Die autoritäre Erziehung der Eltern wird in Frage gestellt und ein jeder versucht, zu provozieren. Sei es, dass Jungs auf einmal lange Haare oder Mädchen viel zu kurze Röcke tragen. Hauptsache die Gesellschaft nimmt war, dass ein Wandel im Bewusstsein der Jugend stattfindet.

Doch, dass dieses Verhalten nicht für alle Jugendlichen gilt, wird am Bespiel des in Finnland lebenden O. deutlich. 
O. wächst bei seinen Eltern in einem kleinen finnischen Dorf auf. Seine Eltern versuchen ihm ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen. Als gelehriger Schüler bringt er stets die besten Noten mit nach Hause und so ist es nicht verwunderlich, dass er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in den USA erhält.

XLVII - Von Hundert auf Null/06.September 2011



Dem referierenden Psychologen fällt meine Unruhe auf und das, wo ich doch krampfhaft versuche, nicht aufzufallen.

"Alles gut?", fragt er fast ein bisschen besorgt. "Wenn es Ihnen nicht gut geht, dann gehen sie gern für einen Moment nach draußen".
Ich finde es nett von ihm, dass er mir erlaubt, herauszugehen. Noch eben wollte ein anderer Patient auf die Toilette gehen und ihm wurde dieser Gang verwehrt. Wahrscheinlich kennt der Psychologe seine Pappenheimer nur zu und zu gut. Nicht jeder Gang zur Toilette führt auch wirklich dorthin. Die meisten Wege führen schnurstracks in die Raucherecke. 
Es ist hier fast wie in der Schule, nur dass man sich hier absolut nichts herausnehmen kann, kein klitzekleines Stückchen.

Rezension: "Ich im Hier und Jetzt - Das kreative Achtsamkeitsbuch für ein entspanntes Leben" von The Mindfulness Project


Aufgrund meiner Panikattacken, die ich seit über dreißig Jahren mein Eigen nennen darf, kenne ich viele Bücher, die sich mit Psychologie allgemein, Ängsten, Entspannungübungen, Atemübungen, Konzentrationsübungen und dergleichen beschäftigen. Viele dieser Bücher haben schlaue Menschen geschrieben, die Themen aufgreifen, von denen sie im Grunde keine Ahnung haben, da sie zum Beispiel Panikattacken noch nie durchlebt haben. Jedoch meinen sie die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und aller Welt sagen müssen, wie schnell sich beispielsweise diese Attacken in Luft auflösen können.

Viel lieber sind mir Bücher, die dadurch gekennzeichnet sind, das sie Übungen beinhalten, die dazu anregen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren oder aber, was ganz wichtig ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, um dem Alltagsstress zu entfliehen.

XLVI - Von Hundert auf Null/06.September 2016



Jeden Vormittag und Nachmittag stehen Informationsveranstaltungen auf der Tagesordnung, satte anderthalb Stunden und die Teilnahme ist Pflicht. Alle Veranstaltungen müssen in einem kleinen Heftchen gegengezeichnet werden und wehe dem, eine Doppelstunde wird nicht besucht, dann hagelt es gelbe und rote Karten. Drei gelbe oder eine rote Karte und man fliegt aus der Klinik raus und daran gibt es nichts zu rütteln. Da ich nicht aus der Klinik fliegen will, werde ich jede Infoveranstaltung wahrnehmen, auch wenn es mir noch so schlecht gehen sollte. Ich muss diesen Entzug schaffen, aufgeben gilt nicht, das ist keine Option.

Rezension: " Eierlikörtage - Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen"




Hurra, ich lebe "immer" noch oder von einem der auszog, um das Leben im Altenheim unter die Lupe zu nehmen!

Heimbewohner Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre alt, macht das, was bis dato noch keiner getan hat, aber endlich mal gemacht werden muss. Er schnappt sich ein Tagebuch und schreibt all das, was ihn und seine Altenheim-Kollegen so bewegen, nieder. 

Und das Gute ... hier werden keine kleinen, niedlichen Geschichten erfunden, die unser aller Herz berühren sollen. Hier beschreibt Heimbewohner Groen, lassen wir es mal dahingestellt sein, ob Hendrik Groen nun wirklich ein Bewohner eines Altenheimes ist oder ob hier nur jemand fabelhaft und intensiv recherchiert hat und unter einem Pseudonym dieses kleine Meisterwerk veröffentlicht, schonungslos, wie das Leben und das Miteinander unter Heimbewohner tatsächlich abläuft.

Rezension: "Die Attentäter" von Antonia Michaelis



Drei junge Menschen, deren Leben untrennbar voneinander sind und doch trennt sie eines Tages der Glaube, wenn es dann nur der Glaube wäre.

Cliff, Alain und Margarete sind seit Kintertagen eng miteinander befreundet. Während Alain und Margarete in einem liebevollen, intakten, wohlbehüteten Umfeld aufwachsen, leidet Cliff stark unter der Trennung seiner Eltern. Insbesondere der Verlust seiner Mutter, die ihre Karriere vorantreiben will und die die Wutausbrüche und Kontrollverluste ihres Sohnes einfach nicht mehr ertragen kann, macht Cliff schwer zu schaffen. Er rebelliert durch jegliche Art von Provokationen und schafft es nicht, Stabilität in sein Leben zu bringen.

XLV - Von Hundert auf Null/06.September 2011


Im Grunde reicht mir der heutige Tag schon.

Ziemlich genervt und zittrig gehe ich in die Raucherecke. 
Kaum angekommen, trifft mich der zweite Schlag, denn zwei türkischstämmige Typen kloppen sich und dreschen dermaßen aufeinander ein, dass es sich nur noch um Sekunde handeln kann, bis einer der beiden tot umfällt.

XLIV - Von Hundert auf Null/06.September 2011


Nachdem jetzt eigentlich das Frühstück beendet sein müsste, dürfen wir anstatt dessen pusten. Noch nie in meinem Leben musste ich pusten. 
Ich frage mich, was der Quatsch soll, immerhin bin keine Alkoholikerin und das soll eigentlich auch so bleiben. Aber wie heißt es so schön - mitgehangen, mitgefangen. Ich puste also lieb und artig in das Atemalkoholtestgerät und freue mich fast diebisch, dass kein Atemalkohol nachgewiesen werden kann.

Rezension: "Der andere Ich - Verwirrungen in Barcelona" von Jürgen Vogel



Ihr ward gerade in Barcelona und möchtet die Eindrücke noch einmal Revue passieren lassen? Dann müsst ihr unbedingt zum Debütroman von Jürgen Vogel greifen.

Hauptprotagonist David Adolphy reist beruflich nach Barcelona, um dort mit einem Freund an einem Projekt zu arbeiten. Dort begegnet er bei einem Bummel durch die Stadt Silvia, deren Mann Philippe ein Jahr zuvor verstorben ist. David und Philippe gleichen sich wie ein Ei dem anderen und das nicht nur äußerlich. David, begeistert von der Vorstellung, eines anderen Ichs, ist bereit sich auf eine Reise in die Welte eines anderen zu begeben. 

Buchempfehlung: "Leise kriselt´s im Schnee" von Brigitte Krächan




Und wie jedes Jahr ... Weihnachten steht ganz plötzlich vor der Tür!
Aber ... Glück gehabt ... auch dieses Jahr fällt Weihnachten zufällig wieder auf den 24. Dezember, also schon mal vormerken.

Da es ja mittlerweile wieder Stollen, Lebkuchen und andere Weihnachtsleckereien zu kaufen gibt, hier schon einmal meine Empfehlung für die kalte Jahreszeit: ein kleines, weihnachtliches Mitbringsel für den Gastgeber des Advents-Kaffees oder aber natürlich für euch selbst.

XLIII - Von Hundert auf Null/06.September 2011



"Was ich gefressen habe?", frage ich noch einmal lachend nach. 
Irgendwie gefällt es mir, wie das Tränende Herz spricht. Einfach frei raus. Nicht darauf achtend, ob man das, was er sagt, vielleicht unmöglich finden könnte und ehrlich gesagt, passt die Wortwahl auch hier her. Geschwollenes Gerede gehört vielleicht vor die Kliniktür, hier drinnen weht ein anderer, ein rauher Wind.
"Tavor habe ich gefressen. Einfach nur Tavor! Okay, abends noch Zolpidem zum Schlafen obendrauf, aber das war es dann auch schon", erzähle ich, als würde ich gerade über gesunde Ernährung referieren. Tagsüber Gemüse, abends noch ein wenig Obst.

XLII - Von Hundert auf Null/06.September



"Oh Gott, das mit dem Trinken wird wohl gar nichts", stellt Ulrich, den ich von nun an Tränendes Herz nenne, fest.
Und tatsächlich! Ich habe jetzt vierundzwanzig Stunden keine Benzos zu mir genommen und mein Körper verselbständigt sich. Meine Hände zittern wie Espenlaub und nicht nur, dass es mir unangenehm ist, nein, es macht mir auch Angst. Natürlich, das ist sie wieder die Angst!

XLI - Von Hundert auf Null/06.September 2011







"Meine Fresse, du hast ja voll den Tatter", raunzt mich mein Gegenüber an.
Er ist mit einer der ungepflegtesten Typen hier. Sein kahler Kopf ist mit einer Schuppenflechte bedeckt, die wahrscheinlich noch nie ein Hautarzt genauer betrachtet hat und wenn, dann muss es schon sehr lange her sein. 
Beim Anblick der ausprägten Flechte, die krustenartig ein Netz aus Schuppen über den gesamten Kopf und die Ohren bildet, wird mir schlecht. Nicht nur, dass ich mich hier eh unwohl fühle, nein, jetzt sitzt mir auch noch ein Patient gegenüber, der einfach grauenvoll aussieht.

XL - Von Hundert auf Null/06. September 2011




"Und, haben Sie einigermaßen geschlafen", fragt mich die junge Schwester freundlich, während ich sichtlich nervös mit zitternder Hand meine Tabletten zu mir nehme, dies aber aufgrund eines viel zu kleinen Schlucks Wasser scheitert.
"Schenken Sie sich ruhig mehr Wasser in ihr Glas ein. Wenn wir hier nichts haben, aber ausreichend Leitungswasser", klärt die Schwester namens Simone mich freundlich lachend auf. 

Rezension: "Nichts ist okay" von Jason Reynolds, Brendan Kiely




Zwei Jugendliche mit einem leider gravierenden Unterschied: Der eine ist weiß, der andere schwarz. Ein wesentliches Merkmal, um einen Roman zu schreiben, der von Machtmissbrauch und Rassismus handelt.

XXXIX - Von Hundert auf Null/06.September 2016


Im Zimmer wieder lebend angekommen, versuche ich mich, auf dem Bett sitzend, ein wenig zu entspannen, was mir allerdings nicht gelingt. Einmal duschen und mir geht es hundeelend. Was bin ich doch nur für ein Jammerlappen! Zumindest komme ich mir so. Meines Erachtens habe ich mein heutiges Soll bereits erfüllt. Es ist jedoch strengstens untersagt, den Mahlzeiten fern zu bleiben und gerade vor denen graut es mir ganz besonders. 

Angezogen, geschminkt und die Haare zurecht gemacht, immerhin soll mein Äußeres über mein Inneres hinwegtäuschen, mache ich mich auf den Weg zum Stationszimmer, um meine noch übrig gebliebenen Medikamente einzunehmen.

Rezension: "Hier ist alles Banane - Erich Honeckers geheime Tagebücher 1994 - 2015" Hrsg: Jorge Nicolás Sanchez Rodriguez



Vorsicht - Lachgarantie!

Hat "Honi" uns alle nur an der Nase herumgeführt und ist gar nicht im Mai 1994 von uns gegangen? Möglich ist es, denn nun sind die geheimen Tagebücher des Herrn Honeckers, dem ehemaligen Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, aufgetaucht.

Wäre da nicht Honeckers Chauffeur Jorge, der die Tagebücher veröffentlicht und auch teilweise kommentiert hat, Honeckers Verwirrspiel wäre beinahe aufgegangen. Fakt ist, dass Erich mit seiner Margot lediglich nach Chile ausgewandert ist, um dort ein beschauliches Dasein ohne große Aufmerksamkeit und allgemeines Interesse führen zu können.

XXXVIII - Von Hundert auf Null/06.September 2011


Noch überlege ich, ob ich wirklich duschen soll. Nicht, weil auch hier der Boden sandig ist, immerhin habe ich die guten Adiletten an und mit denen stehe ich ja nun einmal nicht direkt im Dreck, sondern einzig und allein, weil ich Angst habe, unter der Dusche zu sterben. 
Angezogen unter der Dusche sterben zu müssen, wäre nicht  so schlimm, aber nackend. Da man sich in unseren Breitengraden zum Duschen aber nun einmal auszieht, stelle ich mir jetzt vor, was für ein Anblick es sein muss, mich tot und nackend am Boden der sandigen Duschwanne zu sehen. Wäre ich Kate Moss oder irgendein anderes Supermodel, wären Ärzte und Pfleger bestimmt entzückt, aber von einem Supermodel bin ich dann doch weit entfernt. 
Allerdings befindet sich in der Dusche eine Klingel, die man betätigen kann, falls es einem nicht gut gehen sollte. Ich könnte also, kurz bevor ich sterbe, all meine Kraft zusammennehmen, mich fix anziehen und dann den Klingelknopf drücken, damit ich entdeckt werde, bevor die Totenstarre voll ausgeprägt ist.